Dienstag, 14. Dezember 2010

Chanukkamarkt in Mainz


Eigentlich ist der Weihnachtsmarkt, den ich heute vorstelle streng genommen gar kein Weihnachtsmarkt. Jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit findet das jüdische Lichterfest Chanukka statt (der jüdische Kalender ist ein Mondkalender, deshalb fallen die Feste immer etwas anders, dieses Jahr war Chanukka vom 2. Bis 9. Dezember). Gefeiert wird die Befreiung Israels um 170 v. Chr. von der griechischen Vorherrschaft. Das war erfolgreich mit einem Aufstand der Makkabäer geglückt und Jerusalem und der Tempel wurden wieder von den höchsten Priestern kontrolliert. Leider hatte in den Wirren der Unruhen niemand Zeit gefunden geweihtes Olivenöl herzustellen, welches für den Leuchter – die siebenarmige Menora - im Tempel nötig gewesen wäre. Es war nur noch genau ein Krug da, der auch nur für einen Tag reichte, möchte man aber neues geweihtes Öl herstellen benötigt man acht Tage.
Da geschah das Chanukka-Wunder: der Leuchter brannte alle acht Tage mit dem verbliebenen Öl aus dem letzten Krug. Heute wird ähnlich wie bei unserem Adventskranz an jedem Tag der Chanukka-Woche ein weiterer Arm des Chanukka-Leuchters mit acht Hauptarmen (für jeden Tag des Wunders einer) und einem sogenannten Dienerarm angezündet. Dies wird dann auch ausgelassen gefeiert, sowohl in der Synagoge als auch (vorallem) zu Hause. Die Kinder bekommen kleine Geschenke und viele Süßigkeiten, es gibt Festessen und eine ganze Reihe von freudigen Chanukka-Liedern. 

Dies konnte man am 8. Dezember alles in der Synagoge in Mainz bestaunen. Die Gemeinde, bestehend zumeist aus Russland immigrierten Juden, veranstaltet seit diesem Jahr einen Abend, an dem die vorletzte Kerze des großen Chanukka-Leuchters der Gemeinde entzündet wird, und um daraus gleich eine Art Gemeindefest zu machen gab es auch Essen, koscheren Glühwein, Süßigkeiten und Werke von jüd Künstlern zu verkaufen. Der Chanukka-Markt bietet für jede Altersklasse etwas, man kann hier die traditionellen Chanukka-Spielzeuge kaufen, koscheres Essen probieren und auch den etwas exotisch jüdisch-orthodoxen beim Tanz zusehen, falls. man nicht selbst aufgefordert wird mitzumachen. Das Publikum war durchaus gemischt, nicht nur jüdische Gemeindemitglieder sondern auch einfach Neugierige, Studenten, Kinder, Familien.
Doch die Mainzer Synagoge lohnt sich nicht nur zur Chanukka-Zeit. Wer  interessiert an Architektur ist, sollte unbedingt eine Führung durch die sehr moderne Synagoge besuchen. Fertig gestellt im September 2010 nach Plänen von Manuel Herz gehört man also noch fast zu den ersten, die diesen modernen Synagogen-Bau zu Gesicht bekommen. Zwecks Führungen sollte man sich allerdings voranmelden.



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