Eigentlich ist der Weihnachtsmarkt, den ich heute vorstelle
streng genommen gar kein Weihnachtsmarkt. Jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit
findet das jüdische Lichterfest Chanukka statt (der jüdische Kalender ist ein
Mondkalender, deshalb fallen die Feste immer etwas anders, dieses Jahr war
Chanukka vom 2. Bis 9. Dezember). Gefeiert wird die Befreiung Israels um 170 v.
Chr. von der griechischen Vorherrschaft. Das war erfolgreich mit einem Aufstand
der Makkabäer geglückt und Jerusalem und der Tempel wurden wieder von den
höchsten Priestern kontrolliert. Leider hatte in den Wirren der Unruhen niemand
Zeit gefunden geweihtes Olivenöl herzustellen, welches für den Leuchter – die
siebenarmige Menora - im Tempel nötig gewesen wäre. Es war nur noch genau ein
Krug da, der auch nur für einen Tag reichte, möchte man aber neues geweihtes Öl
herstellen benötigt man acht Tage.
Da geschah das Chanukka-Wunder: der Leuchter brannte alle
acht Tage mit dem verbliebenen Öl aus dem letzten Krug. Heute wird ähnlich wie
bei unserem Adventskranz an jedem Tag der Chanukka-Woche ein weiterer Arm des Chanukka-Leuchters
mit acht Hauptarmen (für jeden Tag des Wunders einer) und einem sogenannten
Dienerarm angezündet. Dies wird dann auch ausgelassen gefeiert, sowohl in der
Synagoge als auch (vorallem) zu Hause. Die Kinder bekommen kleine Geschenke und
viele Süßigkeiten, es gibt Festessen und eine ganze Reihe von freudigen
Chanukka-Liedern.
Dies konnte man am 8. Dezember alles in der Synagoge in
Mainz bestaunen. Die Gemeinde, bestehend zumeist aus Russland immigrierten
Juden, veranstaltet seit diesem Jahr einen Abend, an dem die vorletzte Kerze
des großen Chanukka-Leuchters der Gemeinde entzündet wird, und um daraus gleich
eine Art Gemeindefest zu machen gab es auch Essen, koscheren Glühwein,
Süßigkeiten und Werke von jüd Künstlern zu verkaufen. Der Chanukka-Markt bietet
für jede Altersklasse etwas, man kann hier die traditionellen Chanukka-Spielzeuge
kaufen, koscheres Essen probieren und auch den etwas exotisch
jüdisch-orthodoxen beim Tanz zusehen, falls. man nicht selbst aufgefordert wird
mitzumachen. Das Publikum war durchaus gemischt, nicht nur jüdische
Gemeindemitglieder sondern auch einfach Neugierige, Studenten, Kinder,
Familien.
Doch die Mainzer Synagoge lohnt sich nicht nur zur
Chanukka-Zeit. Wer interessiert an
Architektur ist, sollte unbedingt eine Führung durch die sehr moderne Synagoge
besuchen. Fertig gestellt im September 2010 nach Plänen von Manuel Herz gehört
man also noch fast zu den ersten, die diesen modernen Synagogen-Bau zu Gesicht
bekommen. Zwecks Führungen sollte man sich allerdings voranmelden.


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